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Gedanken rund ums Leben – für mich und Dich und überhaupt

Auf Ruhm wächst kein Gras

2 Kommentare

Schon seit Tagen möchte ich Euch schreiben. Ihr habt mein Lernen und Bestehen so wunderbar begleitet. Und ich schrieb, dass ich noch nicht wüsste, wie ich das alles meiner Familie erzähle. Dazu möchte ich heute mal erzählen, dass ich früher dachte – wow – wenn ich das mal alles geschafft hätte, dann würde ich das sooo stolz (und laut!) meiner ganzen Famile erzählen, ich würde Sektgläser heben (das heißt was, ich trinke meist keinen Alkohol) und irgendwie würde das alles so groß und der Ruhm, die Anerkennung, der Glanz in den Augen der Anderen – oh – wow (!) – sowas hat sie gemacht – das ist ja allerhand! Meine Güte. Und sie wären spät am Abend nach Hause gegangen und hätten leise zu einander gesagt – also wow, das hätte ich nicht gedacht. Das hat sie wirklich toll gemacht. Und. Und. Und. Oft hatte ich solche Bilder vor Augen. Und oft habe ich mich darauf gefreut.
Na. Und dann hab ichs ja nun gemacht, habe Nächte um Nächste gesessen und gelesen, gelernt, verstanden, gezweifelt, gelacht und manchmal geweint. Geweint vor Freude und Einsamkeit und Erfüllung und Trauer und Dankbarkeit, dass ich all das überhaupt machen kann. Und je mehr ich voranschritt im Lernen, im Laufe der Etappen, wurde immer unwichtiger, etwas zu erzählen. Jemandem davon zu erzählen. Und je weiter ich voranschritt, je mehr nahm ich Abstand davon, überhaupt noch mit jemandem darüber zu sprechen. Jetzt. Nun. Nachdem ich Hochs und Tiefs und wieder Hochs und dann Erfolg hatte. Jetzt. Nun. Ist was anders. Ich habe mit Freunden gefeiert. Mit jedem einzeln. Mit Kamillentee angestoßen. Und auch mal mit Prosecco. Und je mehr ich das tat. Je mehr erkannte ich – Ruhm ist vergänglich. Es. Ist. So. So. So. Vergänglich. In dem Moment, wo ich es erzählt habe. Wo mein Gegenüber erstaunt, erfreut, überrascht, lobend, glückwünschend reagierte, in dem Moment *puff* – Blume des Ruhmes – verblüht. Und es öffnete sich mir die Erkenntnis, dass auf äußerem Ruhm nie. Aber auch nie. Etwas wachsen kann. Eine wahre Kraft, ein wahres Geschehen kann nur aus dem entstehen, was im Inneren seinen Ursprung hat. Alles andere wird wanken. Weichen. Und verbleichen. Und ich erkannte, es ist so wichtig, dass man sich gut überlegt, was man tut. Wo man seine Energie hingibt. Und warum. Der Moment des Erreichens ist schön. Und besonders. Und ich werde mit 185 Jahren sagen: „Und ich habe es gemacht.“ Doch diese Höhe ist wie eine Blume, die – kaum aufgegangen – schon vergeht. Und dann. Was bleibt dann. Ich kann verstehen, dass alte, ehemals so erfolgreiche, Berühmtheiten in ihrer eigenen Welt leben wollen. Dass sie auch mit 70, 80 Jahren in ihren Glanzzeiten leben, wo sie Sääle füllten und sich im Scheinwerferlicht dem tosendem Beifall hingaben. Dort war der Beifall die Nahrung. Der Applaus der Beweggrund. Ich kann es verstehen. Doch schön ist anders. Und ich glaube, wenn man das, was man tut, aus dem Inneren und nicht aus dem Bestreben eines äußeren Resultates tut, dann ist man mit 70, 80 erfüllt. Dann kann er kommen, der Ruhm. Und gehen. Und vielleicht kam er auch nie. Das macht dann nichts mehr. Es ist dann nicht mehr wichtig.

Es ist mir, als hätte ich Tore durchschritten.
Tore, die nur im Schreiten selbst sichtbar wurden.

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2 Kommentare zu “Auf Ruhm wächst kein Gras

  1. Du hast Tore durchschritten. Und ja, man sieht sie vorher nicht. Und hinterher schließen sie sich, und es ist so, als ob es schon immer so gewesen wäre.
    Bezogen auf deine Familie vermute ich, dass du unabhängiger von deren Wertschätzung geworden bist. Sie erkennen deine Leistung nicht, und es kann dir egal sein, es ist ihr Fehler, nicht deiner.

    Gefällt 1 Person

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