inerlime

Gedanken rund ums Leben – für mich und Dich und überhaupt

Und plötzlich kommt der Tod

7 Kommentare

Ich sitze relativ gemischt gelaunt am Rechner. Da denk ich auf einmal, mach mal das Handy an. Also mache ich es an. Eine Nachricht auf dem Band. Ich habe ein ungutes Gefühl. Rufe zurück. Und denke, während ich die fremde Nummer wähle, lieber Gott, lass es nichts ernstes sein. Dann – höre ich. Langjährige Freundin – tot. Ich sitze da. Und kann es nicht fassen.

Wo sind da all die Theorien im Umgang mit Gefühl. Was passiert hier grad? Der Boden wankt. Ich versuche, zu halten, was ich nicht halten kann. Es ist schon weg. Sie. ist. weg.

Ich weine. Zünde eine Kerze an. Stehe neben mir und gleichzeitig ist alles wie vorher. Das Glas mit Traubensaft steht da. Der Korbstuhl knirscht beim Bewegen. Wie kann das gehen? Wie kann alles anders und alles gleich sein. Ist das der Beweis für parellele Welten. Es ist schwer auszuhalten. Das Gefühl. Aufhalten. Ich möchte das alles aufhalten. Rückwärts spulen. Die Returntaste drücken und alles ist wie vorher.
Klappt nicht. Ich versuche Luft mit den Fingern zu halten. Vergangenes raus zu zerren in die Gegenwart. Nichts. Vorbei.

Da stehen Töchter, Schwiegersöhne, Enkelkinder. Und ein Ehemann. Ich höre, sie konnten sie begleiten. Ein Segen zumindest das.

Und ich merke, da ist neben dem Schrecken, dem Unfassbaren noch was anderes. Angst. Sie war grade mitten im Leben! Es berührt auch mein Leben. So schnell kann es vorbei sein. Gedanken schnellen hoch! Habe ich alles gemacht?! Mein Leben fängt doch grad erst an! Es kann doch nicht sein, dass meine Freunde schon gehen?!?!! Mein Gott, ich bin noch so jung. Das kann es doch nicht gewesen sein. Das DARF!!! es doch noch nicht gewesen sein!!! Und einfach tickt die Uhr so weiter. Sie tickt einfach weiter. Der Brotkorb steht am gleichen Platz wie immer. Morgen früh geht die Sonne auf. Autos fahren in die Stadt. Auch die Kerze wird aus sein. Leer.

Ich werde irgendwann spülen.
Wäsche waschen.
Dinge tun.
Und es nicht fassen können.

 

 

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7 Kommentare zu “Und plötzlich kommt der Tod

  1. Mein Beileid. Das ist immer ein großer Schock, so plötzlich und unerwartet und jemand, den man sehr mochte. Alles Gute für Dich.

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    • Es wird für mich nie fassbar werden, dass ein Mensch einfach so geht. Bis eben noch da. Dann weg. Nie mehr wieder. Weg. Es berührt so viele Seiten in mir, im Leben allgemein, in der Welt. Und das Schlimmste und Gütigste in Allem … das Leben geht einfach weiter, im gleichen Moment kocht irgend jemand Kaffee, morgen früh geht die Sonne auf, und irgendwie geht auch meine Handeln, Denken, Leben weiter. Das macht so unbedeutend was passiert, das macht das leben dessen, der rgade gestorben ist, so unbedeutend. Das ist für mich nicht zu begreifen … war es nie … und wird es niemals sein …

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      • Hey Inerlime, Das ist ja auch alles nicht so schnell zu begreifen, das braucht seine Zeit. Das Leben geht für die anderen weiter, aber alle,die einen Schicksalsschlag erleben oder eben auch betroffen sind von einem Sterbefall o.ä., für die läuft die Zeit langsamer. Unbedeutend ist das Leben nicht. Versuche etwas zur Ruhe zu kommen und zu schlafen. Liebe Grüße und alles Gute.

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      • Das Gütigste. Ja, das ist das Wort. Ja, ich kenne das auch, diese Schockstarre, die einem plötzlich alles nimmt und einen fremd sein lässt.
        Global gesehen, ist die ganze Menschheit nur ein Husten in der Evolution. Von daher hast du recht mit „unbedeutend“. Aber wir sind keine Ameisen, und von daher nein, bedeutungslos ist das Leben nie. Es sei denn, du machst es dazu, und das glaube ich nicht.

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      • Das ist es ja eben. Für mich ist das Leben nicht unbedeutend. Ich liebe soviel an und in dem Leben. Kleinigkeiten, große Dinge, Natur, Menschen, Sinne, Begegnung, alles mögliche. Und die Verbundenheit mit all dem. In all der Einsamkeit, die ich oft fühle. Das macht es noch schwerer verständlich, dass – zack – der Mensch weg ist. Zack. Alles vorbei für ihn. Und zack. Machen alle im Großen und Ganzen weiter wie vorher. Es vergehen Tage, Wochen, Monate und alles ist wie immer.

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      • Lass mich fragen: klagst du das Leben selbst an, dass der einzelne Mensch darin unbedeutend ist?
        Glaubst du, für deine Freundin ist jetzt alles zu Ende, sprich, glaubst du an eine (Art von) Existenz nach dem Tod?
        Und aus meiner Erfahrung sage ich dir: der Tod von nahestehenden Menschen erscheint oft sinnlos, ja, klar. Völlig okay, dass du haderst. Mich haben „meine Tode“ verändert. Nichts ist mehr „wie immer“. Alles ist anders, und es bleibt.

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      • Vergänglichkeit von Umgebung, Menschen, etwas, was mir nah ist, das ist etwas, woran ich persönlich mich nicht gewöhne. Meine Wertschätzung für das oder den einzelden ist so hoch. Und das Unwiederbringliche ist arg für mich. Das war schon als Kind so. Wenn ich aus dem Urlaub bei meinen Großeltern wegfuhr, habe ich geweint, weil ich wusste, dass ich es nicht festhalten kann, was da (schönes) war. Andere Menschen sind da anders. Schulterzucken und „ist halt so“. Bei mir ist das anders…

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